Niklas Richter

Erste “20″ im Wettkampf in Andernach

Nach dem Wettkampf in Jüterbog, der noch einige Schwachpunkte offenbarte, „klotzte“ ich in der darauffolgenden Woche im Training noch einmal richtig ran. Ich absolvierte mehrmals gemeinsam mit Christopher Linke und Nils Gloger eine Strecke von mindestens 15km in einem sehr zügigen Tempo sowie eine kurze Schnelligkeitseinheit und Dauerläufe. Mit diesem ordentlichen Programm wollte ich den Wettkampf in Andernach optimal vorbereiten, für meine erste „20“ absolvierte ich viele Kilometer in der Vorbereitung, um die letzten Akzente in der Ausdauer zu setzen. Am Freitag, den 09.10.2015, trafen sich dann die Eltern von Nils und Annika Brembach mit Annika, Nils‘ Freundin und mir in Potsdam um 8:15 Uhr zur gemeinsamen Wettkampf-Anreise. Nils war bereits einen Tag früher mit dem Bundestrainer ins knapp 600km entfernte Andernach gereist. Nach der unmittelbaren Abfahrt in Potsdam bemerkte der Vater von Nils jedoch einen Druckverlust auf einem Reifen, aufgrund der gefährdeten Sicherheit fuhren wir noch schnell zu einem Reifenservice im benachbarten Werder, wo der Reifen bearbeitet und repariert wurde. Nach 90 Minuten war die Reparatur abgeschlossen und wir konnten die Fahrt in Richtung Rheinland-Pfalz antreten. Mit nur einer kleinen Pause kamen wir nach 5:30h Fahrzeit an. Zuerst bezog Familie Brembach ihr Hotel in einem kleinen Ort, ca. 30km von Andernach entfernt. Im Anschluss fuhren wir zusammen in die Innenstadt Andernachs, wo die Wettkampfstrecke lag. Das Hotel des Bundestrainers und seiner Trainingsgruppe lag unmittelbar an der Strecke, ungefähr 50m vom Start- und Zielbereich entfernt. Der Bundestrainer Ron Weigel hatte mich in diesem Hotel mit einquartiert, so brachte ich schnell mein Gepäck auf das Zimmer (mit hervorragendem Blick auf den Rhein), um im direkten Anschluss mit Annika einen Auftakt zu absolvieren. Viele Stunden Autofahrt hinterließen natürlich ihre Spuren, deswegen tat die Bewegung dem Körper sehr gut. Die Wettkampfstrecke liegt unmittelbar am Rhein, bei dieser schönen Umgebung macht das Sporttreiben gleich doppelt so viel Spaß! Während unseres Auftakttrainings am Rhein konnten wir noch zusätzlich die Stadt erkunden, welche nicht nur landschaftlich ein echter Hingucker ist.

Um 18:30 ging der SC Potsdam gemeinsamn in einem italienischen Restaurant essen. Das waren Annika und Nils Brembach, deren Eltern und Nils‘ Freundin, Christopher Linke, Nils Gloger, Hagen Pohle und ich. Im Anschluss machten Nils Gloger, Hagen und ich uns noch auf einen Verdauungsspaziergang am Rhein entlang. Den restlichen Abend verbrachte jeder auf seinem Hotelzimmer, ich ging auch bereits sehr zeitig schlafen, denn ich hatte mich mit den Jungs zum kurzen Auftakt um 5:45 Uhr vor dem Hotel verabredet. Vor dem Hotel trafen wir um diese sehr frühe Zeit auch schon auf Hagens Bruder Philipp und dessen Freundin, die die ganze Nacht mit dem Zug aus Lübeck nach Andernach gefahren waren. Nach 3km Auftakt und anschließender Dehnung aßen wir um kurz nach 6:00 Uhr ein gemeinsames Frühstück im Hotel. Der 20km & 50km Start sollte zusammen mit dem 30km Start um 9:00 Uhr erfolgen. Für die 30km und 50km Geher ging es dabei um den Deutschen Meistertitel. Den „großen“ Jungs ging es jedoch weniger um die Deutsche Meisterschaft, sondern vielmehr um die Erreichung der Olympianorm über die 50km. Die DLV Norm liegt bei 3:52h, welche es zu unterbieten galt. Die Runde war eine 1km Pendelstrecke auf einer abgesperrten Hauptstraße mit einem leichten Anstieg vor einer der beiden Wenden. Es war klar, dass dieser Anstieg nach einigen Runden zu spüren sein wird. Ich fühlte mich sehr gut vorbereitet und körperlich fit. Ohne Vorkenntnisse über diese Wettkampfstrecke setzte ich mir erst einmal das Ziel von 1:40h, welches sehr realistisch betrachtet gut zu erreichen sein sollte. Nach dem Startschuss konnte ich mir eine gute Position im 54 Starter großen Gesamtfeld suchen. Das Feld wurde zusätzlich durch einige internationale Geher aus England, Italien, Polen, Kroatien, der Ukraine und weiteren Nationen verstärkt. Mein angestrebtes Ziel war nun erstmal 5min pro Runde zu gehen. Diese Zeit wollte ich keinesfalls unterbieten, um den Wettkampf sehr kontrolliert anzugehen, schließlich muss ich in den ersten 20km-Wettkämpfen Erfahrungen sammeln, was für Rundenzeiten ich im Stande bin zu gehen. Die erste Runde ging ich in 5:01min, genau im Zeitplan. In der 2. Runde ließ ich mich von einer vor mir gehenden Gruppe mitziehen, welche allerdings ein höheres Tempo anschlug, so ließ ich nach der folgenden 4:48min Runde schnell wieder abreißen. Die nächsten 3km ging ich wieder alleine in einem gleichmäßigen Tempo von 5:00min. Ab Kilometer 4 nahm ich Verpflegung in Form von Getränken von meinem ehemaligen Heimtrainer Volker und Mann meiner jetzigen Trainerin Manja Berger entgegen. Dieser sagte mir, dass ich den vor mir gehenden Andreas Janker einholen kann, da dieser aus der schnelleren Gruppe vor mir herausgefallen war. Innerhalb des folgenden Kilometers hatte ich ihn auch eingeholt und ab diesem Zeitpunkt lief der Wettkampf sehr gut weiter. Wir gingen ein konstantes Tempo von knapp unter 5min pro Kilometer. Die 10km Zwischenzeit betrug 49:36 min, aber mir war klar, dass ich in der 2. Hälfte des Wettkampfes noch einiges an Tempo zulegen konnte. Bis Kilometer 12  spulten Andreas und ich gemeinsam unsere Runden ab, ab der 13. Runde ließ Andreas jedoch von mir abreißen, da er noch mehr als 30 Runden vor sich hatte und ich bereits deutlich schneller wurde. Für mich war es überraschend, dass ich bis Kilometer 15 sehr viel Spaß am Wettkampf hatte und keinerlei Anzeichen von Ermüdung verspürte. Deswegen startete ich die letzten 5 Kilometer eine Endbeschleunigung mit Rundenzeiten von nunmehr 4:50min. Volker rief mir zu, dass ich noch einige Kilometer vor mir habe und es nicht übertreiben soll, zu diesem Zeitpunkt fühlte ich mich jedoch noch genauso fit wie am Start, deswegen ignorierte ich diese “Warnung” und wurde von Runde zu Runde schneller. Als ich in meiner 19. Runde war, wurde ich von Jonathan Hilbert, einem schnellen U23 Geher aus Erfurt überrundet, der mich anspornte bei ihm mitzugehen. Diese Runde absolvierte ich also in 4:40min, mittlerweile aber bei weitem nicht mehr so locker wie ein paar Runden zuvor. Der Blick auf die Uhr verriet mir, dass ich mit einer sehr schnellen letzten Runde noch eine Endzeit von unter 1:38h erreichen konnte. Ich biss mich also an Jonathan fest und kämpfte mich mit seiner Hilfe durch diesen letzten Kilometer. Mein letzter Kilometer war im Endeffekt 4:30min schnell, bescherte mir aber auch die Endzeit unter 1:38h – 1:37:56h!

Sehr erfreut und zufrieden erholte ich mich schnell und konnte ungewohnterweise viele Glückwünsche entgegennehmen, weil alle schnellen Geher die 50km in Angriff nahmen, überquerte ich die Ziellinie nämlich als erster dieses Tages. Meine Trainer und Betreuer sind ebenso alle durchweg zufrieden, wie ich den Wettkampf bestritten habe. Dieser Wettkampf ist nun zunächst eine gute Basis, auf der ich aufbauen kann. Ich weiß, dass ich aktuell noch Potential nach oben habe, besonders auf dieser und der 10km Distanz. Ganz beiläufig habe ich die zweite Hälfte der 20km sogar in einer neuen persönlichen Bestzeit über 10km absolviert. Mental gestärkt gehe ich nun in die folgenden Trainingswochen bevor es Ende November für 14 Tage ins Trainingslager nach Mallorca geht.

In einem harten Wettkampf mussten Christopher Linke, Nils Gloger und Nils Brembach dem hohen Tempo und vorangehenden Krankheiten zwischen den Kilometern 36 und 40 leider Tribut zollen und aussteigen. Hagen konnte sich bis zum 40. Kilometer jedoch ein gutes Zeitpolster von über 2min zur Norm aufbauen. Mit viel Kampfgeist und den anfeuernden Zuschauern biss sich Hagen die letzten Runden durch und überquerte die Ziellinie nach 3:51:18h als Gesamtdritter. Hagen konnte sich in seinem ersten 50km Wettkampf überhaupt also gleich die Norm für Olympia 2016 in Rio sichern! Herzlichen Glückwunsch auch an dieser Stelle noch einmal zu dieser grandiosen Leistung!

Die restlichen Stunden bis zu meiner Rückreise verbrachte ich noch mit Christopher und Nils Gloger in der Altstadt, denn für mich ging es noch am Samstagabend mit dem Zug zurück nach Berlin, zur „Feier des Tages“ sogar in der 1. Klasse. Die restlichen Athleten fuhren alle erst am Sonntagmorgen mit dem Auto zurück, was ich jedoch nicht wahrnehmen konnte.

 

Mein Fokus liegt nun besonders auf der kommenden Freiluftsaison, die nächstes Jahr entweder im schweizerischen Lugano oder im slowakischen Dudince für mich beginnt. Dort werde ich mein Hauptaugenmerk auf die 10km legen, da ich die Norm für die U18 EM in Tiflis (Georgien) angreifen möchte. Wenn ich meine gute Form im Training beibehalte und möglichst krankheits- und verletzungsfrei durch den Winter komme, ist das auch durchaus realistisch! Somit steht mein Ziel, auf das ich mich nun voll konzentrieren werde, hoffentlich bin ich dann nächstes Jahr in Tiflis bei der U18 EM am Start.

 

Nach diesem längeren Bericht wünsche ich noch viel Spaß mit den folgenden Fotos!

Bis demnächst,

Niklas :)

 

Hier findet ihr die offiziellen Ergebnisse: http://www.monte-mare-firmenlauf.de/dm-strassengehen/ergebnisse.html

Hier findet ihr einige Fotos, dabei vielen Dank für einige davon an Philipp Pohle – RaceWalk Pictures !

Aufgrund der großen Anzahl an Bildern ist das komplette Album auf Facebook zu finden: https://www.facebook.com/niklasrichter.leichtathletik

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Social Media

Es gibt Neuigkeiten !

Das steht demnächst an!

04.08.2017 | Bahn-DM in Ulm

Unterstützt von: