Niklas Richter

Jagd auf die JEM-Norm in Dudince und Podebrady

Nach dem schwachen Hallenwettkampf in Dortmund war ich etwas enttäuscht über meinen schlechten Abschluss der Hallensaison, wobei mich eine kleine Verletzung in der unmittelbaren Vorbereitung leider auch etwas eingeschränkt hatte. Daher freute ich mich umso mehr auf die bevorstehende Freiluftsaison, da meine Stärken einfach auf den längeren Strecken, speziell auf der Straße, liegen. Der Fokus im Training lag somit auf dem ersten Freiluftwettkampf im slowakischen Dudince am 19.3.16.
Nach einer sehr guten und verletzungsfreien Vorbereitung fuhr ich zum Wettkampf mit der Zielstellung möglichst nah an die vom DLV geforderte Normzeit über 10km zu gehen. Meine bisherige Bestzeit aus dem vergangenen Jahr lag bei 48:20min, die deutsche Norm für die U18-EM liegt jedoch bei 45:45min, somit war mir klar, dass ich noch ein großes Stück Arbeit vor mir hatte, da meine 5km Bestzeit auch nur genau im Schnitt für die Norm war, d.h. wenn ich meine Bestzeit verdoppel, würde ich auf die Sekunde genau die Norm gehen. Auf der zweiten Hälfte der Strecke wird man aber bekanntermaßen etwas Zeit einbüßen, daher ist auch eine schnellere erste Hälfte nötig. Die Strecke in Dudince war eine 1km Pendelstrecke, welche mir persönlich nicht so gut gefiel, da 2 180° Wenden eingebaut waren, die immer etwas Zeit kosten. Die erste Wettkampfhälfte ging ich exakt im Bereich meiner Bestzeit (22:53min), also noch auf Normkurs. In der zweiten Hälfte des Wettkampfes hatte ich jedoch Probleme mit der Kraft, ich konnte das Tempo nicht komplett durchgehen und verlor somit einiges an Zeit auf der zweiten Hälfte. Im Ziel blieb die Uhr für mich bei 46:28min stehen, somit fehlten mir also noch knapp 45 Sekunden zur Norm, was für mich im ersten Moment unrealistisch schien, da ich keine Steigerung von 45 Sekunden innerhalb von 3 Wochen erwartete. Meine beiden Teamkameradinnen Teresa Zurek und Julia Richter konnten ihre Normen in Dudince für die U20-WM, bzw. U18-EM schon mit großem Abstand abhaken.
Die folgenden 3 Wochen “klotzte” ich im Training nochmal extra ran, da ich die Norm nach einer gründlichen Analyse des Wettkampfes und meines Trainings noch nicht völlig abgeschrieben hatte. Im Grunde genommen hatte ich nämlich eine gute Grundlage für den Wettkampf vom körperlichen her, lediglich der Kopf hat mich in Dudince behindert. Insgeheim habe ich auch schon seit dem letzten Sommer mit dem Gedanken einer Teilnahme an der JEM gespielt. Nachdem ich seit nunmehr 4,5 Jahren an der Sportschule den Sport leistungsmäßig betreibe, war es auch mein Ziel in der Jugend mindestens an einer internationalen Meisterschaft teilzunehmen.
Im Vorfeld des am 9.4. stattfindenden Wettkampfes erzählte mir meine Trainerin Manja Berger auch noch, dass eine Steigerung in Podebrady zu erwarten ist, da Podebrady bekanntermaßen eine schnelle Strecke ist (auch meine Lieblingsstrecke) und der Einstieg in die Freiluftsaison immer noch nicht das volle Leistungspotential an den Tag bringt. Am 8.4. fuhren wir dann am Morgen nach meiner Klausur die 400km ins tschechische Heilbad Podebrady. Am frühen Nachmittag bezogen wir unser Hotel, welches 3min von der schön gelegenen Wettkampfstätte entfernt lag. Gegen 16:00 absolvierten wir dann das Auftakttraining, welches aus 4km Eingehen und ausgedehnter Gymnastik sowie kurzen Sprints bestand. Am nächsten Morgen konnte ich länger schlafen, da ich mich erst um 8:30 mit den “Großen” von der Trainingsgruppe des Bundestrainers zum Auftakt traf. Ich ging 3 schnelle Kilometer und lief noch einen zum Abschluss, anschließend verbrachte ich die verbleibende Zeit im Hotel, da mein Start erst um 13:20 terminiert war. Für den Wettkampf nahm ich mir vor, die ersten Kilometer wieder etwas schneller anzugehen und wenn möglich, mit einer Gruppe mitzugehen, da es mir so deutlich leichter fällt. Unser Starterfeld bestand aus 49 männlichen Personen, die 35 weiblichen Starterinnen starteten 20min vor uns. Um am Ende genau auf Norm zu gehen, müsste ich eine Rundenzeit von 4:34,5min auf dem 1km Rundkurs gehen. Die ersten beiden Runden ging ich konstant in 4:25min/km in einer kleinen Gruppe, ich fühlte mich sehr gut und war in einer guten Verfassung. Den dritten Kilometer ging ich in 4:28min, was immer noch ein sehr schnelles Tempo war. Nach dem dritten Kilometer beschleunigte meine Gruppe jedoch sehr plötzlich und ich entschied mich gegen ein weiteres mitgehen, da ich auch vom aktuellen Temposchnitt her nicht mitgehen musste, ich wollte kein zu frühes “Einbrechen” riskieren. Die nächsten Kilometer ging ich allesamt komplett alleine, die Rundenzeiten variierten immer zwischen 4:32min und und 4:34min, bzw. der 7. Kilometer in 4:35min, somit war ich immer unter der benötigten Rundenzeit. Meine 5km Durchgangszeit betrug 22:26min, was bereits eine Bestzeitsteigerung von 25 Sekunden bedeutete, ebenso war ich eine knappe halbe Minute schneller als in Dudince zu diesem Zeitpunkt. Durch die komplette Mannschaft wurde ich von Runde zu Runde immer weiter angetrieben, um noch jede Sekunden rauszuholen. Als es dann in die letzte Runde ging war mir bei einem Blick auf meine Gesamtzeit schon klar, dass ich die Norm heute unterbieten werde. Davon nochmal angetrieben absolvierte ich die letzte Runde in 4:30min und konnte mit 45:13min meine Zeit aus Dudince mit 75 Sekunden Differenz pulverisieren. Mit dieser Zeit konnte ich mich schließlich auch für die JEM in Georgien vom 14.7.-17.7. in Tiflis, Georgien qualifizieren.
Christopher, Nils und Hagen, die “Großen” des SC Potsdam, konnten ihren 20km Wettkampf auch allesamt mit einer neuen persönlichen Bestleistung sowie den Qualifikationen für die Olympischen Spiele in Rio abschließen, Podebrady war somit ein voller Erfolg für den SC Potsdam.

Sehr stolz, dass ich mich nun für meinen ersten Nationalmannschaftseinsatz qualifizieren konnte, geht es nun in die Vorbereitung auf die nächsten Wettkämpfe in Jüterbog und Naumburg und natürlich auch auf die EM im Sommer, da es bis zur europäischen Spitze immer noch ein gutes Stück ist. Zum Vergleich: ein Weißrusse des Jahrganges 2000 ging in Podebrady 42:29min über die 10km! Bis zum Sommer stehen aber auch noch 2 Trainingslager auf dem Plan sowie mehrere Leistungsdiagnostiken in Leipzig, ich werde alles für eine optimale Vorbereitung geben!

Bis bald,

Niklas :)

Hier findet ihr die offiziellen Ergebnisse aus Podebrady: http://www.podebrady-walking.cz/en/results

Hier findet ihr noch eine kleine Auswahl von Bildern meines Zieleinlaufes, da diese meinen Wettkampf am Besten wiederspiegeln! Wer noch mehr Bilder des gesamten Wettkampfes sehen möchte, schaut am Besten hier vorbei, dort sind sehr viele Bilder zu finden, z.T. auch von mir gemachte Fotos des 20km Wettkampfes.
Vielen Dank an Christoph Höhne für das schöne Zielfoto!

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